Schlagwortarchiv für: Saatgut

Vandana Shiva: Eine Erde für alle!

Einssein versus das 1%

Vandana Shiva hat ein Buch geschrieben, dessen Bedeutung nicht hoch genug zu bewerten ist. Die Autorin ist Umweltaktivistin, als Wissenschaftlerin international unterwegs für den Erhalt von Saatgut und Trägerin vieler internationaler Preise und Würdigungen wie z. B. den alternativen Nobelpreis.

Die Ergebnisse ihrer Studien, die sie uns hier vorlegt, sind mehr als erschreckend. 1% der Menschheit besitzt so viel wie der Rest der Menschheit und kontrolliert diesen durch Methoden und Machtpotentiale, die sich die breite Masse kaum vorstellen kann. Der Einfluss durch immense Geldmittel, ein Weltbild, das auf Profitmaximierung, Materialismus und dem Anspruch, die Menschheit zu einer „besseren“ Zukunft zu lenken lässt jeden Despoten der Geschichte als Waisenknaben dastehen.

Mit einer Fülle von Informationen über die Verflechtungen von Big Playern der Wirtschaft und Finanzwelt zeichnet sie die Landkarte einer wachsenden Weltherrschaft, die einer Science-fiction-story entsprungen sein könnte, – wenn sie nicht finstere Realität wäre.

Minutiös stellt Vandana Shiva dar, wie „Philantropen“ wie Bill Gates durch das Geschäftsmodell der Stiftung (MBGF) Gelder für Forschungen, für Firmen wie Monsanto & Co., für Bildungseinrichtungen und Staaten einsetzen und so nicht nur die „Spendengelder“ an der Steuer vorbei schleusen, sondern Volkswirtschaften lenken in eine Richtung, in der Bürger, Gesellschaften, ganze Staaten kontrolliert und dirigiert werden.

Zahlreiche Beispiele sprechen eine deutliche Sprache, etwa aus ihrer Heimat Indien, wo 2016 Bargeld für wertlos erklärt und Millionen Menschen in die Armut getrieben wurden. Saatgut, das Bauern seit Generationen pflegen und entwickeln sollte verboten werden und durch „patentiertes“ Saatgut ersetzt werden, was die Bauern in Armut trieb. Das genveränderte neue Saatgut ist einerseits ärmer an Nährstoffen und benötigt angepasste Pestizide und Kunstdünger, die die Bauern für teures Geld erwerben müssen.

Sie verweist auf zahlreiche extrem teure Lebensmittelexperimente, die wenig bis nichts zur Verbesserung der Versorgung der Menschen beitragen, viele aber das Gegenteil bewirken. So gibt es in Indien inzwischen Verbote für die Herstellung von gesunden, kalt gepressten Ölen, wie es Familienbetriebe seit Jahrhunderten herstellen – zugunsten von gepanschtem importierten und subventionierten Öl, das zum Teil gesundheitsschädlich ist. Dies nur als Beispiel, von denen Vendana Shiva viele aufführt.

Der rote Faden, der sich durch diese Entwicklung der Herrschaft des 1% über die 99% Restbevölkerung zieht ist die zentralistische Lenkung, die sich durch Wirtschaft, Bildungssysteme und der Prägung eines einheitlichen Weltbildes zu lasten kultureller Vielfalt.

Den Ausweg aus dieser zunehmenden Bedrohung der Demokratien und der Bürger sieht die Autorin in einem Ausbau lokaler Selbstbestimmung, die den jeweiligen Regionen und Bürgern Rechnung trägt. Sie führt diesen Weg aus der modernen Sklaverei/ des modernen Kolonialismus auf Einsichten Mahatma Gandhis zurück: Swaraj – Selbstbestimmung, Selbstverwaltung, Swadeshi – lebendige Wirtschaft, und Satyagraha – die Kraft der Wahrheit, echter Widerstand, echte Demokratie.

Ergänzt wird das Buch durch ein umfangreiches Quellenverzeichnis. – Ein Buch, das in jede Uni, zu jedem Studium von Wirtschaft und Ethik gehören sollte.

Vandana Shiva, Eine Erde für alle! Neue Erde, 185 Seiten, ISBN 978-3-89060-7979, 18